alias Grace

Grace Marks weiß, dass sie den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen wird - verurteilt zu dieser Strafe für den Mord an Thomas Kinnear, ihrem Arbeitgeber, und dessen Haushälterin Nancy. Gemeinsam mit dem Knecht soll sie diese Morde begangen haben - nur sie selbst kann sich nicht dran erinnern. Trotz der überwältigenden Beweise ist es auch schwer vorstellbar, dass diese zarte, sensible Person an zwei derartigen Greueltaten beteiligt gewesen sein sollte. Nach etlichen Jahren im Gefängnis und auch in der Psychiatrie ist sie zwar immer noch inhaftiert, darf jedoch im Haushalt des Gefängnisdirektors als Hausmädchen arbeiten - getrieben von der Lust der Direktorsgattin, sich ein bisschen Nervenkitzel in die Wohnung zu holen. Und hier begegnet sie auch Doktor Simon Jordan, der an ihr eine neuartige Methode anwenden will, um zu den tief verschütteten Geheimnissen ihres Geistes vorzudringen und damit vielleicht aufzuklären, was an jenem Tag wirklich geschah. Eines muss man Margaret Atwood ungestraft lassen: Sie versteht ihr Handwerk. Es ist ihr hier gelungen, einen ausgesprochen gut zu lesenden Bericht über ein Geschehniss, das Mitte des letzten Jahrhunderts in Kanada für einiges Aufsehen sorgte, zu verfassen. SIe lässt hauptsächlich Grace Marks selber schildern, was ihr alles widerfahren ist, wie sie von Irland nach Kanada kam, welche Erlebnisse sie geprägt haben - und der Autorin gelingt hier das Kunststück, eine einfache und dennoch nicht banale Sprache zu verwenden.

Verlag: Berlin Verlag (März 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN 3-827-00012-2

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alias Grace

Der blinde Mörder

Die Handlung beginnt im Jahre 1870, als der Großvater der beiden Schwestern Laura und Iris seine später sehr erfolgreiche Knopffabrik in Port Ticonderoga gründet. Iris, die ältere Schwester, erzählt in Rückblicken die Geschichte ihrer Familie. Sie schildert die sympathische Großmutter, die so sehr auf den richtigen Stil bedacht ist, ihren Vater, der, nach dem ihre Mutter nach einer Fehlgeburt sehr früh stirbt, die beiden quirligen Mädchen so gut wie möglich großzieht. Reenie, die Haushälterin leistet dabei unschätzbare Arbeit. Wirbel unter die Fabrikarbeiter und in die Mädchenherzen bringt ein junger Anhänger der Gewerkschaft, Alex Thomas, der sich in Port Ticonderoga herumtreibt. Am Ende des Sommers brennt die Fabrik und niemand weiß, ob Brandstiftung im Spiel ist. Alex, der verdächtigt scheint, ist wie vom Erdboden verschluckt. Die wirtschaftliche Situation in der Fabrik ist angespannt, der II. Weltkrieg wirft in Europa bereits seine Schatten voraus, darum heiratet Iris, den arroganten, aber vermögenden Industriellen Richard Griffen. Das heißt also Ehe, dachte ich: diese geteilte Langeweile, diese Verkrampftheit und diese kleinen pudrigen Furchen neben der Nase. Bis zu ihrem Tod, im Mai 1999, lässt Iris ihr Leben Revue passieren. Früher sorgte man dafür, dass Probleme in der Familie blieben, die immer noch der beste Platz dafür ist - nicht dass es je einen besten Platz für Probleme gäbe. Wieso nach all den vielen Jahren alles wieder aufwühlen, wo doch alle Beteiligten, wie übermüdete Kinder, so brav in ihren Gräbern liegen? Sie beleuchtet den Selbstmord ihrer impulsiven Schwester Laura, der in der Öffentlichkeit vertuscht wurde. Auch der plötzliche Tod ihres eigenen Mannes erscheint im Rückblick in einem anderen Licht, als er in den Zeitungen dargestellt wurde. Drahtzieher hinter den Kulissen ist immer der undurchschaubare Alex Thomas, mit dem sowohl Laura als auch Iris ein Verhältnis haben, ohne voneinander zu wissen. Margaret Atwood nimmt sich Zeit und breitet diese tragische Familiengeschichte in einem riesigen Panorama aus. Mit enormer handwerklicher Geschicklichkeit schachtelt sie die zeitlichen Abläufe raffiniert ineinander und schlingt unterschiedliche Erzählstränge zu einer höchst ungewöhnlichen Komposition. Eingestreut in den Rückblick von Iris sind einzelne Zeitungsausschnitte, Auszüge aus dem postum veröffentlichten Roman ihrer Schwester und aktuelle Ereignisse im Leben der jetzt alten Frau.

Verlag: Berliner Taschenbuch Verlag (September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN 3442-76036-4

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Der blinde Mörder

Die eßbare Frau

In den Büchern der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood geht es um Darstellung der beängstigenden Einflüsse im alltäglichen Leben. Identitätssuche und Reaktion auf gesellschaftliche Verhältnisse von Frauen sind dabei ihre Hauptthemen. Atwood bedient sich einer leisen Ironie und eines psychologischen Realismus. Hauptfigur des Romans "Die essbare Frau" ist Marian MacAlpin, die in einem Meinungsforschungsinstitut Umfragen auswertet. Zuerst erschöpft sich der Roman in einer Beschreibung alltäglicher Lebensumstände, die ebenso normal wie monoton sind. Schließlich erfährt man von Ainleys skurrilem Plan, zwar mithilfe eines Mannes ein Kind zu bekommen, ihn aber nicht zu heiraten. Marian lernt bei einer Befragung den psychisch labilen Duncan kennen, dessen ungewöhnlicher Charakter sie verwirrt. Nach einem eigenartigen Verhalten bei einer Party, wo Marian sich unter einem Bett versteckte, macht ihr Peter plötzlich einen Heiratsantrag. Sie nimmt an; je näher aber der Tag ihrer Hochzeit rückt, desto genauer beginnt sie, ihre Umwelt wahrzunehmen. Marian erschreckt über die Erkenntnisse, die sie bei ihren Beobachtungen macht. Zunehmend fühlt sie sich von der Gesellschaft eingeengt und revoltiert schließlich mit einer psychosomatischen Krankheit gegen das bürgerliche Leben, das ihr durch die Heirat bevorsteht. "Die essbare Frau" ist ein etwas ungeschickter Titel für die Angst der Hauptperson, von Rollenklischees und Erwartungen der Gesellschaft gleichsam aufgefressen zu werden. Der Roman ist in realistischem Tonfall gehalten, spektakuläre Szenen sind selten und so ist die Gesellschaftskritik Atwoods, ihre unbequemen Einsichten in alltägliche Zusammenhänge eher zwischen den Zeilen zu lesen. Der Roman ist nicht ohne Längen und daher eher ein Buch über Alltagssituationen -- er beschreibt psychologisch genau den leisen Widerstand einer Frau gegen ein Leben, das sie nicht will.

Verlag: Fischer-TB.-Vlg
Sprache: Deutsch
ISBN 3-596-25984-3

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Die eßbare Frau